Heilen im Gleichgewicht
Zwischen Tradition und Forschung: Experte Herbert Schwabl zeigt, wie die Tibetische Medizin mit jahrhundertealten Rezepturen moderne Antworten auf chronische Beschwerden liefert.
Was fasziniert Sie an der Tibetischen Medizin?
Altes Heilwissen stellt eine zeitlose Frage: Was hält den Menschen im Gleichgewicht? Die Tibetische Medizin ist über viele Jahrhunderte gewachsen und wurde kontinuierlich angewendet. Gerade in einer technisierten und beschleunigten Welt fragen sich viele: Wie finden wir wieder auf einen natürlichen Weg zurück?
Wie sind Sie zu dieser Passion gekommen?
Heilpflanzen haben mich schon früh fasziniert. Später im Physikstudium habe ich gelernt, wie komplexe Systeme funktionieren. Dies findet man auch in der traditionellen Pflanzenheilkunde: Nicht ein einzelner Stoff, sondern das Zusammenspiel vieler Bestandteile macht die Wirkung aus. Ein durchaus moderner Ansatz.
In welchen Bereichen und gegen welche gesundheitlichen Probleme kann die Tibetische Medizin helfen
Tibetische Rezepturen sind traditionell darauf ausgelegt, sanft und über längere Zeit zu wirken, also vor allem bei chronischen, lange anhaltenden Beschwerden. Dazu zählen beispielsweise Störungen der Durchblutung, stressbedingte Belastungen oder funktionelle Verdauungsbeschwerden.
Wo findet man in der Schweiz auf Tibetische Medizin spezialisierte Ärzte, Phytotherapeutinnen und andere Spezialisten?
In der Schweiz gibt es speziell ausgebildete Therapeutinnen und Therapeuten für Tibetische Medizin. Gleichzeitig sind einige standardisierte Rezepturen auch in Apotheken und Drogerien erhältlich. Eine Besonderheit ist, dass hier in der Schweiz bestimmte tibetische Präparate seit Jahrzehnten unter pharmazeutischen Qualitätsstandards hergestellt werden. Tradition trifft hier auf moderne Arzneimittelstandards.
Es gibt viele Studien mit Phytotherapeutika, auch von der Uni Zürich. Welches ist das am besten erforschte tibetische Pflanzentherapeutikum?
Die spezialisierte Firma «PADMA» hat einige klinische Studien zu den tibetischen Rezepturen durchführen lassen. Hier haben Experten verschiedener Universitäten, in Zürich, aber auch im Ausland, mitgearbeitet. Somit kann man sagen, dass in der Schweiz ein spezielles Know-how zur Tibetischen Medizin entstanden ist. Am besten wissenschaftlich untersucht ist hier die überlieferte 28. Rezeptur, die bei Durchblutungsstörungen eingesetzt wird. Traditionell spricht man dabei von «versteckter Hitze im Blut». Die moderne Forschung übersetzt dies als niederschwellige, entzündliche Prozesse – ein hochaktuelles Forschungsthema.